Bluthochdruck

(Arterielle Hypertonie)

Unter Hypertonie versteht man eine dauerhafte Erhöhung des Blutdrucks im arteriellen Gefäßsystem. Die Normwerte wurden von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) vor einigen Jahren gesenkt, seitdem gelten Werte ab 140 systolisch (vorher:160) und 90 diastolisch (vorher:100) bereits als leichte Hypertonie (Grenzwerthypertonie) und, v.a. in Verbindung mit weiteren sog. Risikofaktoren wie erhöhtem Cholesterin oder Blutzucker, als behandlungsbedürftig. Kritisch betrachtet wird diese Senkung der Normwerte allerdings deshalb, weil dafür keine nachweisbare Notwendigkeit vorliegt, jedoch mit einem Schlag ein Patientenzuwachs bzw. ein Marktwachstum für Blutdrucksenker von 35% zu verzeichnen ist (sh. Dr. Gunter Frank: „Schlechte Medizin“, Knaus Verlag 2012, S. 26).

Ein dauerhaft deutlich erhöhter Blutdruck belastet das Herz- Kreislaufsystem, er schädigt die Gefäße und erhöht das Risiko für die Entstehung von Arteriosklerose, Herzinsuffizienz, Koronarer Herzkrankheit, Schlaganfall und Niereninsuffizienz.

Eine Hypertonie macht im Allgemeinen kaum, oder nur bei längerem Bestehen, bzw. bei sehr hohen Werten, Beschwerden. Dann können Kopfschmerzen beim Aufwachen (v.a. im Hinterkopf), oder ein Druckgefühl im Kopf auftreten. Auch anfallsweise Herzklopfen oder Herzschmerzen, gehäuftes Nasenbluten, Schwindel, Ohrensausen oder Sehstörungen können Hinweise auf einen Bluthochdruck sein.

Man unterscheidet eine primäre (auch: essentielle, idiopathische) Hypertonie, bei der keine organische Ursache für den erhöhten Blutdruck ausgemacht werden kann, von der sekundären Hypertonie, die als Folgeerscheinung einer anderen Grunderkrankung auftritt.

Die primäre Hypertonie macht 90-95% der Fälle aus, man vermutet erbliche Faktoren als Ursache aufgrund der familiären Häufung bei diesen Bluthochdruckpatienten. Auch vermehrter Kaffee- und Alkoholkonsum, Stress und Bewegungsmangel tragen dazu bei. Diese Form gilt als nicht heilbar, der Blutdruck kann lediglich durch lebenslange Medikamenteneinnahme künstlich niedrig gehalten werden, unterstützt durch einen entsprechenden Lebenswandel.

Die möglichen Grunderkrankungen bei der sekundären Hypertonie liegen meist in der Niere oder im Hormonsystem. Auch durch die Einnahme von Kontrazeptiva („Pille“) oder Cortison kann ein Bluthochdruck entstehen. Hier kann der Blutdruck durch die Beseitigung der Ursache bzw. der Grunderkrankung wieder normalisiert werden.

Falldarstellung

Mann, 50 Jahre

Einige Zeit vor der ersten Konsultation in der Praxis hatte er eine hypertensive Krise (Blutdruckwerte von 220/130mmHg) gehabt. Diese erreichte ihren Höhepunkt während der Arbeit, er entwickelte Symptome wie Kopfdruck, ein starkes Druckgefühl im Oberkörper, Schweißausbrüche und ein starkes allgemeines Unwohlsein. Er wurde in die Klinik gefahren und dort mehrfach mit starken blutdrucksenkenden Medikamenten behandelt, die aber alle nicht anschlugen. Diese Krise ging nach einiger Zeit dann von selbst vorüber, jedoch blieb der Blutdruck danach konstant erhöht. Die Einnahme von ACE- Hemmern wurde verordnet.

Weitere Beschwerden des Patienten sind anfallsweise depressive Verstimmungen, die ca. ein bis zwei Tage dauern, oft nach Phasen der Überarbeitung auftreten und während denen er nicht wirklich ansprechbar ist oder in der Lage mit seiner Familie zu kommunizieren. Er ist dann wie in einem tiefen Loch, verbunden mit einem Gefühl der Ängstlichkeit.

In der Vorgeschichte finden sich heftige entzündliche Erkrankungen.

Zunächst eine heftige Nebenhodenentzündung, drei Jahre später eine schwere Lungenentzündung, die einen längeren Krankenhausaufenthalt notwendig machte und eine lange Zeit, die er nicht arbeiten konnte zur Folge hatte. Die Ärzte im Krankenhaus sagten, es wäre wahrscheinlich, dass er seinen Beruf anschließend überhaupt nicht mehr ausüben können würde. Dies setzte ihn so unter Schock, dass er jetzt, Jahre später, immer noch Schweißausbrüche bekam, wenn er davon erzählte.

Aber er erholte sich und konnte wieder arbeiten.

Der Patient arbeitet in einem Beruf, in dem er viel in der Öffentlichkeit steht, er ist sehr perfektionistisch, hat einen enorm hohen Anspruch an sich selbst und macht sich entsprechend viel Druck. Er liebt seinen Beruf sehr und hat ein immens großes Expertenwissen, sogar seine Vorgesetzten kommen zu ihm deswegen. Auch sonst hat er einen auffallenden Wissensdrang und ein sehr breitgefächertes Allgemeinwissen.

Außerdem ist er jähzornig, extrem ordentlich, ein Genussmensch und liebt Körperhygiene, Baden, Sauna usw.

Nach Arzneimittelgabe

Nach der Verordnung des für ihn individuell passenden Arzneimittels sind die depressiven Phasen nicht mehr aufgetreten. Zunächst traten Symptome einer Bronchitis auf, von denen er sagte, dass sie sich anfühlten wie die beginnende Lungenentzündung damals. Später verspürte er zeitweilig ein Stechen in dem Nebenhoden, der Jahre zuvor von der Entzündung betroffen gewesen war. Insgesamt wurde er deutlich entspannter, nach und nach konnte er den Druck, den er sich selbst aufbaute, verringern, er konnte auch über eigene Fehler hinwegsehen. Auch den Dingen und Menschen um ihn herum, die ihn immer wütend gemacht hatten, konnte er mit deutlich mehr Gelassenheit begegnen.

Der Blutdruck war ja aufgrund der Medikamente künstlich niedrig gehalten und konnte so nicht zur Verlaufsbeurteilung herangezogen werden. Nachdem der Zustand sich aber über einen längeren Zeitraum immer weiter stabilisierte und der Patient immer mehr Vertrauen in seine Gesundheit bekam, wurde es dann möglich, die Medikamente nach und nach im Einvernehmen mit ihm zu reduzieren und dann schließlich ganz abzusetzen. Der Blutdruck ist jetzt stabil im Normalbereich und der Patient fühlt sich rundherum wohl.

Verlaufsbeurteilung

An diesem Fall sieht man besonders schön, wie sich Heilung vollzieht: sie beginnt auf der sehr tiefen Ebene der Psyche, indem die depressiven Phasen als erstes verschwanden. Weiterhin treten alte Beschwerden wie „Reminiszenzen“ in leichter Form wieder auf in der umgekehrten Reihenfolge: zunächst die Lungensymptome, dann Schmerzen im Nebenhoden. Leider kann man wegen der Medikation nicht genau nachvollziehen, wann sich der Blutdruck normalisiert hatte. Jedoch sieht man parallel zu den wieder auftretenden körperlichen Symptomen eine kontinuierlich andauernde Besserung und Stabilisierung des Allgemeinzustandes. Hier liegt die Vermutung nahe, dass sich auch der Blutdruck stabilisiert haben dürfte. Dann ist es sinnvoll, sich langsam aus der Medikation auszuschleichen um dies zu verifizieren.


Wir weisen darauf hin, dass wir von den Heilungsmöglichkeiten der Homöopathie überzeugt sind, aber die Homöopathie, wie jede andere Behandlungsmethode auch, eine Heilung nicht garantieren kann.