09.12.2012

Homöopath Oliver Müller baut in Mostar ein Behandlungszentrum auf

Aus der Passauer Neuen Presse vom 09. Dezember 1996 von Christian Jakubetz


Sie wurden mißbraucht, geschändet, vergewaltigt. Vier Jahre tobte in Bosnien-Herzegowina ein fürchterlicher Bürgerkrieg. Heute ist er beendet - doch viele Menschen in dem Balkan-Land sind mit den Erlebnissen des Krieges nicht fertiggeworden. das deutsche Homöopathie-Forum, darunter der Pfarrkirchner Oliver Müller, wollen dort helfen, wo die Möglichkeiten der Schulmedizin versagen.

Eine Frau, vielleicht 35 Jahre alt. "Hochintelligent und bildhübsch", wie sie Projektleiter Oliver Müller beschreibt. doch die Frau, die fünf Sprachen fließend spricht, ist heute kaum mehr in der Lage, einfachste Zusammenhänge herzustellen. Vermutlicher Grund: Im Bürgerkrieg verlor sie ihr Kind, darüber ist sie bis heute nicht weggekommen. die tiefe emotionale Verletzung äußert sich in einem körperlichen Symptom. Hier setzt die klassische Homöopathie an. sie seht den Menschen als Ganzes, die Homöopathen wissen, dass viele vordergründig organisch erscheinende Krankheiten ihren Ursprung in der menschlichen Psyche haben. seit die Frau von Oliver Müller behandelt wird, geht es ihr "um 30 Prozent" besser. Nächstes Jahr, so hofft der Pfarrkirchner, soll es ihr wieder so gut gehen, dass sie wieder arbeiten kann.

Mostar, eine Stadt in Herzegowina. Europaweit bekannt wurde sie, weil sich dort der Irrsinn des Bürgerkriegs am deutlichsten widerspiegelte: Menschen, die jahrzehntelang nebeneinander lebten, brachten sich plötzlich gegenseitig um. Wegen ihres Glaubens, wegen ihrer Herkunft. die zerstörte Brücke über den Fluss wurde zum Symbol der Teilung und Zerrissenheit eines ganzen Landstrichs.

Die zerstörten Häuser werden wieder aufgebaut. Nur verletzte menschliche Seelen lassen sich so schnell nicht wieder aufbauen. Das "Homöopathie-Forum", ein als gemeinnützig anerkannter Verband der klassisch arbeitenden Homöopathen, will genau hier ansetzen: Den Menschen helfen, die Erlebnisse des Kriegs zu überwinden. Eine Sisyphus-Arbeit, wie auch der Pfarrkirchner Heilpraktiker Oliver Müller weiß. Er ist - als einziger Niederbayer - federführend an diesem Projekt beteiligt.

Ein Prjekt, bei dem Müller und Kollegen viele Widerstände bewältigen müssen: Ungünstige Rahmenbedingungen in der zerstörten Stadt, das Mißtrauen der Schulmediziner und natürlich auch der Patienten - die Homöopathie war schließlich bis vor kurzem im ehemaligen Ostblock völlig unbekannt. "Manche Patienten", schmunzelt Oliver Müller, "werden schon deswegen misstrauisch, weil wir nicht mit einer Menge Spritzen und hochtechnischer Apparate anrücken."

Dabei haben "90 Prozent" (Müller) der Krankheiten einen psychosomatischen Hintergrund: Angstneurosen, Psychosen, Depressionen, Suchtkrankheiten. Sie sollen homöopathisch behandelt werden - die ersten Schritte dazu sind bereits gemacht: Bescheidene Praxisräume wurden eingerichtet, acht erfahrene Therapeuten aus ganz Deutschland fahren im wöchentlichen Wechsel nach Mostar, wo sie wechselweise behandeln und Äurzte bzw. medizinisches Personal unterrichten. Endziel: Die klassische Homöopathie soll sich in Bosnien-Herzegowina selber tragen.

Erfolge gab es dabei nicht nur in der Behandlung der "zum größten Teil sehr schwierigen Fälle", sondern auch im Kampf durch das Behörden-Dickicht. Eine offizielle Behandlungserlaubnis des Gesundheitsamtes in Mostar existiert bereits, ebenso Kontakte zur Weltgesundheitsorganisation WHO oder UNICEF.

Indes: Der größte Teil dieses Projekts basiert auf purem Idealismus. Wenn die Therapeuten aus ganz Deutschland nach Mostar fliegen, dann lassen sie ihre Praxen mindestens für eine Woche alleine - für den Verdienstausfall kommt niemand auf. Honorare für den Einsatz in Mostar werden nicht gezahlt. Insgesamt, so schätzt Oliver Müller, wird das Projekt "Homöopathie für Mostar" rund 7000 000 Mark kosten. Einen Teil davon wird das "Homöopathie-Forum" tragen, der Rest soll aus Spenden finanziert werden (Spendenkonto: Kreissparkasse München; Kontonummer 917 07 39, Kennwort "Projekt Mostar").