08.01.2015

Paracetamol


Bildquelle: publicdomainpictures.net/ Petr Kratochvil

Schon wieder Kopfschmerzen!

Sie sind ein Beispiel von vielen Beschwerden, in denen recht schnell zur Schmerztablette gegriffen wird. So nehmen 3,6 Millionen Deutsche regelmäßig Kopfschmerztabletten. Viele von ihnen sind frei verkäuflich und die Werbung suggeriert zusätzlich, wie schnell der Schmerz - egal ob in Kopf, Zahn, Rücken oder Knie – nun wie von Zauberhand verschwindet und der oder die Betroffene wieder rundherum geistig und körperlich fit ist. Auch sind die kleinen Pillen kostengünstig sowie einfach und schnell in jeder Apotheke zu beschaffen.

Die Wenigsten machen sich Gedanken über die Wirkung der Medikamente und deren Nebenwirkungen. Ihre Zugänglichkeit verharmlost die Tatsache, dass es sich um Medikamente handelt, denn auch hier gilt: Jeder Wirkstoff hat auch nicht erwünschte Nebenwirkungen, die zum Tragen kommen können. Auch kann ein frei verkäufliches Medikament schneller als gedacht überdosiert werden – unter Umständen mit tödlichen Folgen.

So ist es nicht verwunderlich, dass der Ruf von Experten nach einer Rezeptpflicht immer lauter wird. Einige führende Pharmakologen fordern sogar ein komplettes Verbot dieser teilweise schon seit Generationen bekannten Medikamente mit der Begründung, dass die Nebenwirkungen den Nutzen bei Weitem übersteigen.

Die versehentlichen Überdosierungen, bedingt durch den sorglosen Umgang mit frei verkäuflichen Medikamenten, bereiten den Experten große Sorgen. Diese Überdosierungen sind schneller passiert als so mancher glaubt. So warnen Kay Brune von der Universität Erlangen-Nürnberg und seine Hamburger Kollegen vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf in einer im European Journal of Pain erschienenen Studie vor den gefährlichen Nebenwirkungen. Brune erklärt, dass es bereits bei regelmäßiger Einnahme der zugelassenen Höchstdosis von vier Gramm Paracetamol pro Tag beim Patienten zu schweren Leberschäden, bei Einnahme der doppelten Dosis sogar zu Leberversagen kommen kann. So wirkt Paracetamol laut Brune bereits bei einer geringen Überdosierung tödlich und sollte verboten werden.

Doch es gibt noch weitere, recht wenig bekannte Risiken bei der Einnahme von Paracetamol. Gerade Schwangere greifen bei Fieber, Kopf- und Rückenschmerzen zu Paracetamol. Der Schmerztherapeut Professor Hartmut Göbel vom Schmerzklinikum Kiel unterstützt die Aussagen seines Kollegen Brune, der bereits 2010 zahlreiche Nebenwirkungen beschrieb und auf die Unwirksamkeit von Paracetamol bei schweren Schmerzzuständen verwies.

Zwei neue umfangreiche Studien belegen sehr deutlich das erhöhte Risiko für hochgradige Entwicklungsstörungen, die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung und das Hyperaktivitätssyndrom.

Die norwegische Studie, welche im Dezember 2013 im International Journal of Epidemiology veröffentlicht wurde, belegt einen Zusammenhang zwischen der häufigen Einnahme des Medikamentes in der Schwangerschaft und einer beeinträchtigten frühkindlichen Entwicklung. Verglichen wurden die Daten von 48.631 Kindern, deren werdende Mütter zwischen der 17. und 30. Schwangerschaftswoche gegen Schmerzen und Fieber Medikamente einnahmen. Sechs Monate nach der Entbindung wurden weitere Daten erfasst und zu Beginn des dritten Lebensjahres wurde die geistige Entwicklung der Kinder untersucht. Frauen, die Paracetamol eingenommen hatten, brachten demnach häufiger ein Kind zur Welt, das später autistische Züge wie Auffälligkeiten im inneren und äußeren Sozialverhalten, ein schlechtes Sprachvermögen, Hyperaktivität und gesamtmotorische Defizite zeigte. Dabei schnitten diejenigen Kinder am schlechtesten ab, deren Mütter Paracetamol über mindestens 28 Tage eingenommen hatten. Die Forscher wiesen so bei Kindern, die pränatal mit Paracetamol in Kontakt kamen, eine substantielle neuronale Entwicklungsstörung drei Jahre nach der Geburt nach. In Zahlen ausgedrückt entspricht dies einer Erhöhung des Risikos für Verhaltensauffälligkeiten um 70 (!!!) Prozent.

Eine weitere umfangreiche Studie mit 64.322 Kindern in Dänemark (Liew et al. 2014) kam zu dem Ergebnis, dass Paracetamol wie ein Hormon wirkt. Es kann somit empfindlich in das Hormonsystem des Menschen eingreifen. Bereits vor der Studie war der Zusammenhang zwischen Veränderungen im Hormonstoffwechsel während der Schwangerschaft und dem Einfluss auf die kindliche Hirnentwicklung bekannt. Untersucht wurde nun eine mögliche Erhöhung des Risikos für die Entwicklung von Krankheitsbildern wie der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung und dem Hyperaktivitätssyndrom bei Einnahme des Medikamentes während der Schwangerschaft. Auch hier wurden Daten weit über die Schwangerschaft hinaus erfasst und ausgewertet. Wieder konnten erhöhte Risiken für das Auftreten einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung oder eines Hyperaktivitätssyndroms sowie daraus resultierende Verschreibungen mit Ritalin oder ähnlich gelagerten Medikamenten nachgewiesen werden. Wurde Paracetamol länger als ein Trimester der Schwangerschaft eingenommen, so erhöhte sich das Risiko nochmals zusätzlich. Hingegen beeinflussten durchgestandene Infektionskrankheiten oder psychische Erkrankungen der Mutter während der Schwangerschaft das Ergebnis nicht.

Die dänische Studie belegt ebenfalls, dass Kinder im 11. Lebensjahr ein um mehr als 30 Prozent erhöhtes Risiko haben, an einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitäts- oder einer ähnlichen Störung zu erkranken, wenn die Mutter in der Schwangerschaft Paracetamol eingenommen hat. Bei einer Einnahme des Medikamentes über die Hälfte der Schwangerschaft verdoppelt sich das Krankheitsrisiko für eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung.

Die übereinstimmende Forderung aller Wissenschaftler, die Anwendung von Paracetamol dringend zu überdenken und seinen Einsatz zu beschränken, überrascht somit keineswegs. Die Belege sprechen eine deutliche Sprache.

Auf der anderen Seite sind Schmerzen immer unangenehm und können das Allgemeinbefinden beträchtlich beeinflussen. Schwangere tragen hier noch eine zusätzliche Belastung, denn ihr Körper vollbringt neben hormonellen Umstellungen noch eine Reihe weiterer Höchstleistungen um Mutter und Kind ideal auf die bevorstehende Geburt vorzubereiten. Doch ehe man sofort zum Schmerzmittel greift, sollte man zunächst Alternativen ausschöpfen. So hilft bei Kopfschmerzen häufig auch Pfefferminzöl oder ein kühler Waschlappen. Schmerzlindernd bzw. – beseitigend wirken sich oft schon Ruhe und ein Minimieren von Reizen aus, beispielsweise durch das Abschalten von PC, Spielkonsole oder Fernseher. Ein Spaziergang im Park, leichte Gymnastik, Yoga oder Meditation sind ebenfalls gute Möglichkeiten um zu entspannen und so dem Körper Ruhe und Erholung zu gönnen.

Die Homöopathie kann hier mit einem gut gewählten Arzneimittel schnelle und nebenwirkungsfreie Schmerzfreiheit bringen. Gerade bei einer erhöhten Anfälligkeit für Kopfschmerzen kann eine professionelle homöopathische Behandlung eine dauerhafte Besserung bewirken.

Kopfschmerzen, die nur zwei bis dreimal im Monat auftreten, gelten als normal. Sollten diese jedoch häufiger auftreten, so ist möglicherweise eine tiefer liegende Ursache vorhanden. Diese sollte dann ärztlich abgeklärt werden, um gegebenenfalls eine schwere Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und entsprechend zu handeln.

Quellen:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/schmerz/article/634112/paracetamol-alt-bewaehrt-harmlos.html

http://www.fr-online.de/gesund---fit/neue-studien-das-sind-die-gefahren-von-paracetamol,9563650,28863066.html

http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/medikamente/risiko/tid-24809/toedliche-schmerzmittel-verbieten-aspirin-und-paracetamol-gefaehrden-leben_aid_703225.html

http://www.zentrum-der-gesundheit.de/autismus-paracetamol-schwangerschaft-ia.html

http://www.schmerzklinik.de/2014/03/18/paracetamol-schwangerschaft-adhs-hks-entwicklungsstoerungen/

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ejp.621/abstract?deniedAccessCustomisedMessage=&userIsAuthenticated=false

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24163279